Die Jagd nach einem optimierten Selbst

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 Schlaf gut, SERIE: Einschlafen

 Pamela Becker

 27.04.2018

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Die Jagd nach einem optimierten Selbst
5 Sterne (3 Vote[s])

Selbstoptimierung - Das Streben nach Perfektion

Unser Arbeitsleben ist von Produktivität und Effizienz geprägt. Jahrtausendelang beruhte die Leistung unserer Arbeit insbesondere auf Muskelkraft und Naturenergien. Das veränderte sich mit der Industriellen Revolution. Und so ist es heute für uns vollkommen normal, unsere Arbeitsleistung nach Produktivität und Effizienz zu bewerten. Die Ziele werden als messbare Schlüsselkennzahlen definiert und unser Erfolg am Zielerreichungsgrad abgelesen. Wir brauchen deshalb große Leidenschaft für das, was wir im anstrengenden Arbeitsalltag tun. Ohne diese wird aus dem emsigen Streben nach Produktivität schnell Stress oder wir geben die Ziele einfach klammheimlich auf. 

Inzwischen jagen jedoch freiwillig immer mehr Menschen auch im privaten Leben einem optimierten Selbst nach. Denn das Leben ist endlich. Deshalb arbeiten wir hart daran, diese Zeit möglichst perfekt auszunutzen. Und so setzen wir uns inzwischen auch im Feierabend persönliche Ziele, um dann nach deren Erfüllung die Messlatte noch ein Stückchen höher zu hängen. 

Spornt uns Selbstoptimierung an, ein besserer Mensch zu werden oder frustriert es uns auf Dauer, dass wir uns so - wie wir sind - nicht ausreichen?

bodyguard-matratze

Quelle: Bett1.de

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 Self-Tracking boomt

Vor einigen Jahren schwappte aus dem Silicon Valley ein neuer Trend zu uns: Self-Tracking - übersetzt heißt dies so viel wie Selbst-Verfolgung. Die großen Technikgiganten priesen uns in magischen Shows an, was wir zukünftig nicht mehr missen sollten: die Tracking-Uhr. Sie misst den Herzschlag je Minute, die Anzahl der Schritte und die Minuten, die wir am Tag trainieren. Unabhängig davon, dass diese Uhr auch ein Taxi bestellen kann oder das gesprochene Wort ad hoc in eine Sprache der Wahl übersetzt, kann auch das Gewicht, die Ernährung, der Schlaf oder der Blutzuckerwert mit verknüpften Zusatz-Apps dokumentiert werden. 

Die Meinungen zu dieser Uhr waren gespalten. Was passiere denn mit diesen Daten? Und was könne daraus entstehen, wenn bspw. Krankenkassen auf die Daten zugriffen? Gefährde dies nicht unser gesundheitliches Solidarprinzip? Und unsere Privatsphäre?

Die Diskussion um digitales Self-Tracking findet zwar nach wie vor statt, jedoch wurde sie zwischenzeitlich von der Realität eingeholt. Denn aktuell messen und kontrollieren bereits mehr als 30 Prozent der Deutschen ihren Lebenswandel, setzen sich Ziele zur Nahrungsaufnahme, Bewegung und auch zum Schlaf. Das Ziel ist: glücklicher, schöner, gebildeter und gesünder zu sein. Die Jagd nach einem perfektionierten Selbst. 

Es gibt jedoch auch sehr gute Gründe, die dafür sprechen, digitale Unterstützung in Anspruch zu nehmen: Zeigt uns die Uhr am Abend an, unser Ziel noch nicht erreicht zu haben, steigen wir in die Laufschuhe und drehen noch eine Runde um den Block. Wir alle wissen, dass dies wesentlich gesünder ist, als zum Feierabend auf der Couch mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher zu verharren. Motivation ist ein gutes Antriebsmittel, um mit ungeliebten Routinen zu brechen. Und so freuen wir uns über das digitale Feuerwerk, mit dem uns die Uhr feiert, sobald wir alle Tagesziele erreicht haben. Und sind stolz auf uns.

PHILIPS WAKE-UP-LIGHT

Quelle: Philipps.de

 

Selbsterkenntnis durch digitales Tracking

Jeder Trend entwickelt sich entweder weiter oder stirbt. Das Self-Tracking ist in unserer Gesellschaft scheinbar auf fruchtigen Boden gestoßen. In der Quantifiied Self-Bewegung bspw. vernetzen sich Menschen zur professionellen Selbstoptimierung miteinander. Anwender tauschen ihre Daten untereinander und mit Soft- und Hardware-Anbietern aus. Sie entwickeln und testen neue Methoden, um möglichst alle Lebensbereiche kontrollieren zu können. Laut Website der Qualified Self-Bewegung in Deutschland betrifft das Tracking nicht nur Aktivitätsdaten, sondern auch Verhaltensbeobachtungen, biologische Informationen, psychologische Tests und Dienste zur medizinischen Selbstdiagnose: Die digitale Selbstoptimierung 2.0.

Ob nun vernetzt in einer Bewegung oder im digitalen Vergleich zu anderen "Mitstreitern": Die Selbstoptimierung verspricht, ein besserer Mensch zu werden, und so gerät diese mitunter zur Lebensaufgabe - mit nicht unerheblicher Suchtgefahr. Rund 4.000 Menschen haben sich zwischenzeitlich zur Selbstoptimierung einen Chip unter die Haut setzen lassen. Ärzte lehnen das Setzen der Hardware (momentan noch) ab. Zu groß ist die Gefahr, mit medizinischer Unkenntnis die falschen Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen. Deshalb ist derzeit (noch) ein Gang zum Piercing-Studio für das Chipimplantat notwendig. Um die Zielnormen bestimmen zu können, werden zur Selbstoptimierung Vergleichsdaten verwendet. Dazu ist jedoch eine Weitergabe der eigenen Tracking-Daten notwendig. Denn einem Läufer, der sich mit den Leistungen seiner Altersgruppe in der Region messen möchte, bleibt nichts anderes übrig, als dem jeweiligen App-Betreiber auch Zugriff auf die eigenen Tracking-Daten zu gewähren.  

Selbstoptimierung macht vor dem Schlaf nicht halt

Die handelsüblichen Applikationen scheitern bislang noch an der seriösen Umsetzbarkeit, den Schlaf sinnvoll zu tracken. Sie messen unter anderem die Aktivität und den Pulsschlag und ermitteln aus den Tracking-Daten die Schlafdauer. Im Prinzip könnte dies hinsichtlich einer Diagnose zur Selbstoptimierung auch schon ausreichen, denn immerhin können auch Schlafunterbrechungen nachvollzogen werden. Sofern davon abgesehen wird, dass ein regloses Chillen auf dem Sofa auch schon mal fälschlicherweise als Schlaf erkannt wird. Schlafphasen können dagegen noch nicht bestimmt werden. Das geht gegenwärtig nur in Schlaflaboren, wo dazu Sensoren angelegt und Hirnströme gemessen werden. Aber es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis verbesserte Methoden das Tracking für den Hausgebrauch realisieren können. 

Die Verlockung ist groß, das Drittel der Lebenszeit, das wir nicht bewusst wahrnehmen, zu minimieren. Die Selbstoptimierer bedienen sich dazu wiederbelebter Versuche, die bereits Mitte des 20. Jahrhunderts entdeckt wurden. Das Ziel ist, über einen veränderten Schlaf-Wach-Rhythmus die Zeit des Schlafens drastisch zu reduzieren.  

Polyphasischer Schlaf

Wir kennen von unseren Kindern den polyphasischen Schlaf bereits: Babys schlafen pro Tag in mehreren Schlafepisoden. Der klassische Schlaf-Wach-Rhythmus wird - oft zum Leidwesen übermüdeter Eltern - erst später erlernt.
Der Architekt Richard Buckminster Fuller hat Mitte des 20. Jahrhunderts in einem zweijährigen Selbsttest erforscht, wie er seine Schlafzeit reduzieren kann. Dazu verabschiedete er sich vom monophasischen Schlaf. Damit ist die Abdeckung des täglichen Schlafbedarfs durch eine einzige Schlafepisode gemeint. Er schlief fortan alle sechs Stunden für 30 Minuten und kam somit auf eine Schlafdauer pro Tag von 2 Stunden. Er wurde während dieser Zeit medizinisch überwacht, gesundheitliche Probleme wurden dabei nicht festgestellt. Nach den zwei Jahren hörte er auf, nach diesem Schlafmuster zu schlafen, die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Er starb mit 87 - rund 40 Jahre nach diesem Schlafexperiment - an einem Herzinfakt.

Selbstoptimierung: Uberman - Methode

Uberman heißt so viel wie Übermensch. Vergleichbar mit dem Selbsttest von Fuller hat die Uberman-Methode das Ziel, die Schlafdauer durch polyphasischen Schlaf auf eine Dauer von rund 2 Stunden zu verkürzen. Es wechseln sich vierstündige Wachepisoden mit einer 20-minütigen Schlafphase ab. Laut Süddeutscher Zeitung tauchte die Uberman-Methode Anfang dieses Jahrtausends auf, als eine amerikanische Collegestudentin unter dem Namen PureDoxyK berichtete, sie habe monatelang dieses Schlafmuster erfolgreich praktiziert. 

Selbstoptimierung: Everyman-Methode

Im Selbstversuch stellt sich heraus, dass die Methode der "Übermenschen" für die große Mehrheit nicht umsetzbar ist, ohne gesundheitliche Schäden zu riskieren. Aus diesem Grunde haben findige Selbstoptimierer die Everyman-Methode entwickelt. Also eine Schlafmethodik für jedermann. In dieser wird die Gesamtdauer des Schlafes wieder in verschiedene Phasen geteilt: In eine Hauptepisode von 3 Stunden und zusätzlich 3 Mal 30 Minuten Kurzschlafphasen, die über den Tag verteilt werden. In Summe schläft ein Teilnehmer der Everyman-Methode 4,5 Stunden pro Tag. 

Ist es möglich, unsere Schlafdauer zu optimieren?

Es scheint, als mache das Bestreben, uns selbst zu verbessern, auch vor dem Schlaf nicht halt. Zu verlockend erscheinen zur Selbstoptimierung die rund 8 Stunden Zeit, die wir scheinbar unproduktiv verbringen. Dabei funktioniert die Innere Uhr - als natürlicher Taktgeber des Schlafes - bei allen Menschen im Wesentlichen gleich, auch wenn sie in der individuellen Schlafdauer variiert. Ein internationales Forscherteam der Universität San Francisco ist auf eine genetische Variante gestoßen, die der Grund dafür sein könnte, dass tatsächlich einige wenige Menschen mit deutlich reduzierten Schlafdauern auskommen. Ein Defekt des Gens DEC2 sorgt für kürzere Gesamtschlafzeiten bei gleichbleibender Dauer der REM- und Tiefschlafphasen. Davon betroffen sind jedoch lediglich 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung. Die minimale Schlafzeit, um weiterhin alltäglich leistungsfähig zu sein, ist genetisch vorgegeben. Dabei geht man nach Resultaten unterschiedlicher Schlafentzugsstudien davon aus, dass wir mindestens 4 oder mehr Stunden Schlaf benötigen, andere Studien gehen von 4,5 bis 5,5 Stunden Schlaf aus. Aber letztendlich sind diese Aussagen unerheblich, die wesentliche Rolle spielt, dass wir unserem Körper und unserer Psyche die für uns individuell und genetisch vorbestimmte Zeit gönnen, lebensnotwendige Prozesse während des Schlafes zu erledigen. Denn im Gegensatz zur Annahme, unser Körper sei während des Schlafes unproduktiv, arbeitet dieser auf Hochtouren. 

Selbstoptimierung - Perfektion ist kein Ziel, es ist das Ende

Lebst Du noch oder bist Du schon perfekt? Job, Partnerschaft und Familie - alles wollen wir souverän meistern. Dadurch lastet Optimierungsdruck auf uns: Leistungsfähig, schlank, schön und gesund wollen wir sein. Auf Alkohol verzichten, mit 60 wie 40 aussehen und Muskeln brauchen wir, genauso wie Ausdauer. Warum nehmen wir uns nicht so, wie wir sind?
Zurecht heißt es doch: Perfektion ist der größte Makel. Denn wer alles ist, kann nichts mehr werden.

 Tiitelfoto: Pixabay.com composita ID: 2346948


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