Schlafstörungen – Eine Volkskrankheit

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 Schlafstörungen

 Abini Herzberg

 11.12.2017

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Schlafstörungen – Eine Volkskrankheit
5 Sterne (5 Votes)

Schlafstörungen - Eine Volkskrankheit

Unser Schlaf könnte eigentlich die Lösung für so vieles sein, doch Schlaf wird zunehmend zum Problem. Immer mehr Bundesbürger haben Schlafprobleme, kleinere und größere, bis hin zu chronischen Schlafstörungen: 2015 war es rund jeder Fünfte, 2016 schon jeder Vierte, 2017 sogar jeder Dritte.

Naturvölker ohne Schlafprobleme

Das Schlafproblem ist ein immer größer werdendes Thema unseres modernen Alltags, besonders in den westlichen Industrienationen. Ein Phänomen: Denn Naturvölker kennen bis heute keine Schlafprobleme, geschweige denn Schlafstörungen.

Es lässt sich also schlussfolgern, dass sich die fortschrittliche Gesellschaft ihre Schlafstörungen im Laufe der Zeit selbst stark „erarbeitet“ hat.

Die jüngsten Untersuchungen des Schlafforschers Jürgen Zulley haben ergeben, dass überhaupt 40 Prozent der Deutschen mit ihrem Schlaf unzufrieden sind. So viele Menschen wie nie zuvor. Immerhin jeder Zehnte leidet unter einer echten, schweren Schlafstörung: der chronischen Insomnie - mit schlechter Schlafqualität und der daraus resultierenden Tagesmüdigkeit.Von schlechtem Schlaf sind Frauen häufiger betroffen (11 Prozent) als Männer (8 Prozent). Diese beeindruckenden Zahlen zeigen: Es lässt sich unzweifelhaft von einer Volkskrankheit sprechen.

Wie lange und wie gut man schläft, das ist inzwischen ein beliebtes Gesprächsthema. Auch wird es immer populärer, den Schlaf zu erforschen. Dabei scheinen Durchschlafstörungen etwas besser behandelbar zu sein als Einschlafprobleme. Eine quälende Tatsache sind sie in jedem Fall für die Betroffenen.

Schlafstörungen: Ursachen und Auslöser auf einen Blick

Schlafmediziner bestätigen, dass die schlechte Schlafqualität ein Tribut an unsere Zeit ist. Die Ursachen sind u.a:

01
MODERNER LEBENSSTIL
  • permanente Erreichbarkeit
  • Reizüberflutung durch elektronische Medien
  • Stress im Beruf, Familie (zunehmend auch in der Freizeit)
02

UNVORTEILHAFTE LEBENSGEWOHNHEITEN

  • schwere Mahlzeiten am Abend
  • Alkohol vor der Nachtruhe
  • Drogenkonsum
  • Nacht- und Schichtarbeit
  • Lärm in der Nacht oder generell falscher Umgang mit Schlaf (die sogenannte Schlafhygiene).

In solchen Fällen appellieren die Ärzte an jeden: ernsthaft zu überlegen, wie er sein Verhalten und sein Umfeld ändern kann. Dabei widersprechen sich die Mediziner aber mitunter auch. Etwa in punkto Fernsehen: Einige schließen den TV-Konsum im Bett kategorisch aus - andere sagen: Alles, was hilft, ist erlaubt.

03

SEELISCHE AUSLÖSER

  • Lebenskrisen
  • Sorgen
  • Schuldgefühle
  • Gedankenkarussell
  • Grübeleien

Auch die Winterdepression fordert Schlafzeiten von 12 Stunden und mehr ein. Immerhin ein Drittel aller Schlafstörungen haben seelische Ursachen.

04

SCHLAFBEZOGENE ATEMSTÖRUNG:

  • Schnarchen
    Auslöser hierfür können Schnupfen, Alkoholkonsum, Übergewicht oder eine genetische Veranlagung sein.
  • Apnoe
    Ihre nächtlichen Atemaussetzern führen zu massivem Sauerstoffmangel.
05

ORGANISCHE ERKRANKUNGEN:

  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Schmerzen
  • Juckreizattacken
  • Leber- und Nierenkrankheiten
  • Magen-Darmerkrankungen und Reizblase
  • Alterskrankheiten wie Parkinson oder Demenz
  • krankhafte Süchte und Psychosen
  • psychosomatische Erkrankungen wie Tinnitus oder Essstörungen
  • Epilepsien
  • hormonelle Störungen (Wechseljahre)
  • selten auch: Narkolepsie (genetisch bedingt)
 
06

MEDIKAMENTE

  • psychoaktive Arzneimittel, die Schlafstörungen verursachen.

Oft unterschätzt: Das Leben gegen die Innere Uhr

sozialen Jetlag“. Diesen können übrigens schon Kinder in der Schule erleben. Schlafstörungen entstehen also auch dadurch: Wir leben heute noch im Rhythmus wie vor 100 Jahren. Würde die Arbeit oder die Schule nur eine Stunde später beginnen, wäre vielen Menschen geholfen.        

Wie tickt die Innere Uhr?

Gegen die Innere Uhr zu leben, bedeutet konkret: Versucht man um 22 Uhr einzuschlafen, obwohl der Körper erst nach Mitternacht zur Ruhe kommt, ist das ein recht aussichtsloses Unterfangen. Der Körper dreht kurz bevor er herunterfährt noch mal richtig auf. "Und genau zu dieser Zeit versucht dann jemand, der morgens früh aufstehen muss, einzuschlafen", sagt Professor Jörg Lindemann, Schlafmediziner am Uniklinikum Ulm. Durch die Angst, morgens nicht ausgeschlafen zu sein, werde es aber nur noch schlimmer.

Wer abends nicht einschlafen kann, ohne dass ein körperliches Problem dahintersteckt, der geht schlichtweg zur falschen Zeit schlafen.

Vom Schlafproblem zur Schlafstörung

Schlafstörungen werden schon nach kurzer Zeit chronisch. Je früher sie behandelt werden können, desto größer sind die Aussichten auf Erfolg. Deshalb sollte jeder sein Schlafverhalten ab und zu beobachten. Von einer behandlungswürdigen Störung sprechen Experten, wenn der Patient länger als einen Monat mindestens dreimal in der Woche schlecht schläft.
Einfach darauf zu vertrauen, dass man irgendwann schon wieder schnell einschlafen oder durchschlafen kann, ist ein Fehler. Erster Ansprechpartner sollte der Hausarzt sein. Kann dieser keine eindeutige Diagnose stellen, was bei der Vielfalt der Auslöser sehr oft der Fall ist, dann muss ein Facharzt (z.B. ein Internist oder gleich ein Schlafmediziner) aufgesucht werden. Denn hier gilt für Betroffene, dass sie nicht nur besser schlafen, sondern auch schwerwiegende körperliche Konsequenzen für die Zukunft vermeiden können. Denn Schlafen, das ist kein Vorschlag, sondern eine Notwendigkeit. Das ist das Prinzip unserer Regeneration.

Gesunden Schlaf nicht erzwingen

Die große Mehrheit versucht, mit ihren Schlafstörungen allein zurechtzukommen. Einerseits suchen nicht einmal 30 Prozent der Betroffenen einen Arzt auf. Andererseits ist die Versorgungssituation für die Betroffenen auch dramatisch schlecht. Deutschland braucht eine neue Facharztgruppe: den niedergelassenen Schlafmediziner.

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Tatsächlich gibt es für viele chronisch Schlafgestörte bis heute keine hilfreichen Therapien. Gesunden Schlaf erzwingen sollten Betroffene aber dennoch nicht. Durch die Angst, abends nicht einschlafen zu können und die Angst, morgens nicht ausgeschlafen zu sein, wird das Problem nur noch schlimmer. Schlaflose sollten nicht panisch werden, sondern versuchen, mit der Situation umzugehen.

Wer sich länger als 20 Minuten unruhig im Bett herumwälzt, sollte am besten wieder aufstehen.

Auswirkungen und Folgen des Schlafmangels

Schlafstörungen können sich schnell im Alltag bemerkbar machen. Wenn die Betroffenen den Schlafmangel nicht im Griff haben - dann hat sie der Schlafmangel im Griff. Und dann ändert sich das Verhalten.

REAKTIONEN:

Müdigkeit
Aggressionen
Gereiztheit
Stimmungsschwankungen
 Konzentrationsstörungen
 Wahrnehmungsstörungen
 Aggressionen
 Vegetative Überreaktion (Herzklopfen, Schwitzen)
 Überdrehtheit

Schlechter Schlaf erhöht (mitunter erheblich und irreparabel) die Risiken für unsere Gesundheit. Einige Studien weisen sogar darauf hin, dass angeblich auch das Krebsrisiko höher ist, da die Immunabwehr geschwächt wird. Dies sind die typischsten Gefahren:  

GESUNDHEITSRISIKEN:

 Herz- Kreislaufkrankheiten  
 Diabetes
 Bluthochdruck  
 Schlaganfälle
 Schwindel
 Kopfschmerzen
 Neuropathie
 Gewichtszunahme (bis Adipositas)
 Potenzprobleme
geschwächtes Immunsystem

Was war zuerst da? Die Schlafstörung oder die Erkrankung?

Manchmal ist nicht sicher, welche körperliche Beeinträchtigung zuerst da war. Folgende Erscheinungsbilder können daher sowohl die Ursachen als auch die Folgen von Schlafstörungen sein:

  • Depressionen
  • Angstzustände (auch die Erwartungsangst vor der nächsten Nacht oder die Angst, morgens nicht ausgeschlafen zu sein)
  • Restless-Legs-Syndrom
  • Bluthochdruck
  • Herz-Kreislauferkrankungen

Schlaf ist nicht verhandelbar

Schlafmangel erhöht fraglos das Krankheits- und Unfallrisiko und verringert die Lebenserwartung. Dass dem Schlaf manchmal noch ein Faulenzer-Image unterstellt, ist also klischeehaft. Allein solches Denken ist schon eine fahrlässige Gesundheitsgefährdung.
Schlaf, das muss jeder verstehen, ist keine sinnlose Zeitverschwendung, sondern produktive Zeitverwendung. Deshalb ist es so wichtig, dass wir auf uns achten und viel für einen gesunden Schlaf tun. Da sei die eine oder andere schlechte Nacht mal verziehen - doch auf Dauer können wir uns nicht selbst austricksen. Denn Schlaf ist mit dem Körper nicht verhandelbar!

Eine der schönsten Dinge, die wir tun können

Schlafen ist kein Vorschlag, kein Angebot, sondern eine Notwendigkeit. Deshalb sollten wir unbedingt auf einen guten Schlaf achten. Empfehlenswert und wirklich hilfreich ist eine positive Einstellung zum Schlaf. Also machen wir im besten Fall daraus einfach unsere Lieblingsbeschäftigung!

 Titelfoto: pixabay.com geralt ID: 3042272
Beitragsfoto: pixabay.com  MichaleaGaida ID: 842410


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