Parkinson schläft nicht

Parkinson schläft nicht

Parkinson schläft nicht

Generic selectors
Genaue Treffer
Suche in dem Titel
Suche im Text
Suche in Artikeln
Suche in Seiten
nach Themen filtern
Allgemein
Anzeige
Interviews
Matratzen
Matratzen Ratgeber
Nachrichten
Schlaf gut
Schlafhilfen
Schlafstörungen
Schlafzimmer
SERIE: Einschlafen
Studien
Tests
Videos
Zeitumstellung

 Schlafstörungen

 Abini Herzberg

 16.12.2017

 Keine Kommentare

Parkinson schläft nicht
5 Sterne (2 Votes)

Schlafstörung könnte ein Anzeichen für Parkinson sein

Wenn Morbus Parkinson (auch als Schüttellähmung bekannt) diagnostiziert wird, ist der Patient in der Regel schon seit mindestens zehn Jahren krank - und viele Nervenzellen sind unwiederbringlich verloren. Es gibt aber Anzeichen, die schon sehr früh auf eine spätere Erkrankung hindeuten. Zum Beispiel eine Schlafstörung.

Parkinson Symptome: Erste Hinweise ab 50 Jahren

Welcher Wecker für wen? Jetzt anmelden!

Mitten in der Nacht schlägt er plötzlich um sich. Sie wacht davon auf, doch ihr Mann schläft. Es ist, als träume er und versuche, sich gegen irgendwas zu wehren. Wer jenseits der 50 eine sogenannte REM-Schlafverhaltensstörung zeigt, sollte einen Neurologen aufsuchen. Sie kann nämlich ein sehr frühes Anzeichen für Parkinson sein, erklärt Prof. Daniela Berg (vom Uniklinikum Schleswig-Holstein).

Eine REM-Schlafverhaltensstörung ernst nehmen

70 bis 80 Prozent der älteren Patienten mit einer solchen Schlafstörung entwickeln Beobachtungsstudien zufolge im Laufe der folgenden 10 bis 15 Jahre eine Parkinson-Erkrankung, erklärt die Expertin. Dies können weitere frühe Warnzeichen sein:
neben der Schlafstörung
auch Verstopfung
ein schlecht kontrollierbarer Harndrang
eine verminderte Geruchswahrnehmung
Erste motorische Auffälligkeiten sind ein schlurfender Gang oder, dass ein Arm beim Gehen weniger mitschwingt als der andere. Bei manchen verändert sich auch das Schriftbild: Die Buchstaben werden immer kleiner.

Aufmerksam sein

„Jedes Symptom für sich genommen bedeutet natürlich nicht, dass jemand später Parkinson bekommt. Wenn aber mehrere Symptome zusammenkommen,sollte man wachsam sein."
Prof. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Schleswig-Holstein

Parkinson wird meist erst nach 10 bis 15 Jahren erkannt

Meist gehen Patienten erst zum Arzt, wenn sie sichtbar zittern oder sich deutlich langsamer bewegen. Die Erkrankung ist zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschritten. „Wenn wir Parkinson diagnostizieren, leben die Patienten meist schon seit 10 bis 15 Jahren mit der Krankheit. Rund die Hälfte der Nervenzellen der für die Bewegung wichtigen Substantia nigra im Gehirn ist dann bereits zugrunde gegangen", erklärt die Expertin.

Stellt sich jemand mit ersten Anzeichen, aber noch ohne motorische Auffälligkeiten beim Neurologen vor, kann er den Patienten zunächst in ein spezialisiertes Zentrum überweisen. Dort lässt sich feststellen, ob ein für Parkinson typisches falsch gefaltetes Eiweiß bereits nachweisbar ist. Dann ist davon auszugehen, dass der Betroffene früher oder später erkranken wird.

Training hilft frühzeitig

„Medikamentös behandeln kann man dann in der Regel zwar noch nicht“, sagt Daniela Berg. Wer weiß, dass er besonders gefährdet ist, kann aber einiges tun, damit die Krankheit im Zweifelsfall nicht ganz so schnell voranschreitet: „Sport zum Beispiel ist eine sehr gute Präventionsmaßnahme - übrigens nicht nur gegen Parkinson, sondern gegen alle Erkrankungen, bei denen Nervenzellen im Gehirn zugrunde gehen.“ Hat der Patient bereits Einschränkungen - etwa Probleme beim Sprechen -, helfen spezielle Trainings. „Damit lässt sich zum Beispiel eine immer leiser und undeutlicher werdende Sprache gut korrigieren.“

Parkinson und Angststörungen 

Studienteilnahme möglich

Ursächlich können Ärzte Parkinson bisher nicht behandeln. Wer schon motorische Einschränkungen hat, kann aber an Studien teilnehmen: Für bestimmte genetische Formen der Parkinson-Erkrankungen gibt es vielversprechende Studien, die den Verlauf positiv beeinflussten könnten.

Mit freundlicher Genehmigung: www.foxtrialfinder.de

Mit freundlicher Genehmigung: www.foxtrialfinder.de

So gründete der US-Schauspieler Michael J. Fox, der 1991 bereits mit 30 Jahren selbst an Parkinson erkrankt ist, im Jahr 2000 die  Michael J. Fox Foundation. Diese Stiftung sammelt Geld für die Parkinson-Forschung – und der aus ihr entstandene Fox Trial Finder klärt aktiv Betroffene auf und macht das Angebot, sie  auch für klinische Studien zu gewinnen. Davon profitieren Parkinson-Patienten weltweit, seit 2013 auch in Deutschland. 

Schlummert die Krankheit nicht mehr in einem, sondern ist sie bereits ausgebrochen, sind Parkinson-Patienten häufig von Ängsten geplagt (weitere hilfreiche Informationen für Betroffene und Angehörige gibt es u.a. auf dem Informationsportal der Neurologen und Psychiater im Netz). Aufgrund ihrer Bewegungseinschränkungen stürzen sie häufiger als andere. Hinzu kommt bei vielen Betroffenen Scham – und sie ziehen sich immer weiter aus Kontakten zu anderen Menschen zurück. Wichtig ist dann, dass Betroffene ihre Ärzte über solche Ängste informieren, erklärt der Berufsverband Deutscher Neurologen. Zum Einsatz kommt meist eine kognitive Verhaltenstherapie. Auch Medikamente helfen unter Umständen. 
Neben Angststörungen kommen auch Depressionen im Zusammenhang mit Parkinson häufig vor. Sie werden als eigenständiges Merkmal der Erkrankung angesehen und gehen vermutlich auf Veränderungen im Gehirn zurück. 

Zwar wird der Blick von Ärzten auf die Parkinson-Erkrankung und ihre Symptomatik immer detaillierter. Zwar lassen sich viele Symptome heute besser behandeln. Aber heilen lässt sich die Krankheit nicht. Derzeit setzt die Wissenschaft (wie z.B. bei Alzheimer) auf Impfung oder auch Immuntherapien, die den Verlauf verlangsamen sollen. 

Auch, wenn Morbus Parkinson noch nicht heilbar ist, so können doch die Symptome der Krankheit länger unterbunden oder deutlich gemildert werden. Deshalb gilt: 
Je früher eine Schlafverhaltensstörung oder Angststörung ernst genommen wird, desto besser stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie, falls es sich um Anzeichen von Parkinson handelt.  

(mit dpa 20.9.2017  + 13.3.2018 + 16.3.2018) Titelbild: pixabay.com Karen Nadine ID: 2865878


Weitere interessante Artikel zu Schlafstörungen:

Kennst Du jemanden, bei dem Parkinson frühzeitig erkannt wurde?

Diesen Artikel kommentieren