Schlafprävention: Bevor es zu spät ist

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 Schlaf gut

 Abini Herzberg

 06.04.2018

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Schlafprävention: Bevor es zu spät ist
4.7 Sterne (3 Votes)

Schlafprävention: Vorbeugen statt heilen!

Wer sich auch nur ein wenig mit Schlaf beschäftigt, hat längst verstanden, wie wichtig erholsamer Schlaf ist. Und er weiß, was die häufigsten Faktoren für gestörten Schlaf sind. Weitaus weniger wird jedoch über die Schlafprävention gesprochen. Vorbeugen statt heilen, damit es erst gar nicht zu einer Schlafstörung kommt – was inzwischen ja zu einer Volkskrankheit geworden ist. Anlass genug für uns, zum Weltgesundheitstag (am 7.4.2018) nicht die Krankheit, sondern die Prävention in den Fokus zu stellen.

Was Schlaf kann

Schlaf stärkt die Immunabwehr, verringert das Krebsrisiko, verbessert unsere Gehirnleistung, lässt Wunden besser heilen und überhaupt: regeneriert unsere körperliche und geistige Verfassung. Und: Schlaf macht schön. Wer gut geschlafen hat, sieht besser aus.

Generation FOMO: 2 bis 3 Stunden Schlaf?

Und da haben wir sie auch schon – die erste inoffizielle Social-Media-Krankheit: FOMO. "Fear of missing out" meint, die Angst etwas zu verpassen. Und selbstverständlich gibt es inzwischen auch ernsthafte Angebote für "Leistungsträger", damit sie ihre optimale Schlafzeit auf 2 bis 3 (!) Stunden reduzieren können. Behandlungsdauer: 30 Minuten, Kosten zwischen 59 und 109 Euro.

Foto pixabay.com geralt ID: 943874

Gewiss ist es erhebend, die Natur mal zu überlisten. 2 bis 3 Stunden sind wohl möglich, aber sind sie auch gesund? Und ist es überhaupt notwendig? Muss es immer mehr Effizienz geben, nur damit sich das Hamsterrad noch schneller drehen kann?
Halten wir das Rad, an dem gern gedreht wird, doch mal kurz an und werden uns klar: Ein voller Termin- und Partykalender ist noch kein erfülltes Leben!

Bitte, was soll schlecht sein an natürlichem Schlaf?

Zur Lage der Nation

Seit langem schleichen sich Schlafstörungen bis in die Mitte unserer Gesellschaft – und immer öfter als chronische Leiden. Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der betroffenen Menschen. Die Dimensionen mit ihren positiven und negativen Auswirkungen rücken aber erst seit ein paar Jahren in den Fokus der Gesundheitspolitik. Lange wurde das Thema Schlaf stiefmütterlich behandelt. Folgerichtig gibt es – gemessen an den Erkrankten – derzeit zu wenig Schlafzentren; und vor allem: zu wenig Schlafmediziner.

Präventionen für erholsamen Schlaf sind also wichtiger denn je. Unbestritten genauso wichtig wie gesunde Ernährung und Bewegung. Das bestätigt auch der Schlafreport 2017 der DGSM (Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin). Darin wird gefordert, dass der erholsame Schlaf als entscheidende Säule der Prävention, Einzug in die öffentlichen Einrichtungen der Kommunen und in die Betriebe halten muss. So entscheidend, dass schon in Kitas und Schulen erholsamer Schlaf Aufklärungsthema sein soll.

Selbstvorsorge, bevor der Arzt kommt

Und wenn nun für 2018 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Thema „Flächendeckende Gesundheitsversorgung“ ausgerufen wird – und Deutschland so tut, als sei die Flächendeckung hierzulande ausreichend, dann stimmt das so nicht.

Klimawandel beeinträchtigt Schlaf:

Mit der Klimaerwärmung, werden auch die Schlafstörungen weltweit zunehmen. Denn je heißer die Nächte, desto schlechter der Schlaf. Nur ein Grad mehr kann im Monat schon zu 3 schlaflosen Nächten zusätzlich führen. Einer Studie*zufolge bedeutet das: Bis zum Jahr 2050 kämen pro 100 Personen 6 schlaflose Nächte hinzu, bis zum Jahr 2099 sogar 14! Pro Monat!

*Harvard University und Universität San Diego 2002 - 2011.

Zwar kann hier jeder (im Vergleich weltweit) medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, und es gibt auch immer mehr berufstätige Ärzte. Aber während es in Ballungsgebieten sogar eine Überversorgung gibt, sind die ländlichen Regionen mitunter erheblich unterversorgt. Sogar in Berlin und Hamburg, zwei Ballungsgebieten, die als überversorgt gelten, gibt es teils eine Unterversorgung – da sich Ärzte u.a. mit ihrer Standort- und Kassenwahl immer öfter für Privatpatienten entscheiden.
Auch deshalb ist frühzeitige Prävention notwendig.

Erholsamer Schlaf: Reden wir darüber

Alle sollten über die Bedeutung von erholsamen Schlaf informiert sein. Am besten also vom Kindesalter an. Nun muss das ja nicht gleich ein Unterrichtsfach werden, wie bei einem Pilotprojekt in Schottland. Es muss auch keine Petition initiiert oder Revolution ausgerufen werden. Jeder Mensch ist anders, deshalb gibt es Schlafschulen mit individuelle Beratungen, Kursen, Übungsabenden und Seminaren rund um den gesunden Schlaf. Ein klares Bewusstsein reicht schon. Von einem schlechten Gewissen darf keine Rede mehr sein. Willkommen in der Gegenwart!

Und wie lassen sich Schlafprobleme am besten vorbeugen?

1

Die eigenen Bedürfnisse kennen

Zuallererst sollte man sich und seine Innere Uhr kennen: Was für ein Schlaftyp bin ich?

  • Langschläfer? Oder Kurzschläfer?
  • Frühaufsteher? Oder Spätaufsteher?
  • Oder doch Normalschläfer?

Wer ein Langschläfer oder/und Spätaufsteher ist, sollte ohne jedes schlechte Gefühl dazu stehen.

 
2

Das Image des Schlafes hinterfragen

Als nächstes sollte man wissen:

  • Bin ich ein Faulenzer, weil ich so lange schlafe und nicht zu den kühnen Frühaufstehern gehöre?
  • Ist „Wir schlafen nicht“ (so der Titel eines Bestsellers) tatsächlich ein bemerkenswertes Bekenntnis unserer Leistungsgesellschaft oder nicht eher ein bedauernswertes?
  • Sollte ich ausreichend Schlaf nicht besser ehrlich in meinem Alltag einplanen, wie einen ernst zu nehmenden Termin?

Solche Fragen muss man nicht „schonungslos“, sondern aufrichtig klären.

3

Mehr Achtsamkeit, sich selbst gegenüber

Schließlich sollte die Selbstfürsorge mehr Bedeutung bekommen. Das kann bedeuten:

  • Sich selbst etwas zu gönnen, wohltuende Dinge am Ende des Tages zu tun und angenehme Einschlaf-Rituale einzuführen.
  • Auf seine Ernährung zu achten, Entspannungsverfahren auszuprobieren und lernen, Probleme auszublenden.
  • Und, ganz wichtig für die Schlafhygiene: Jeder sollte seine Schlafumgebung optimieren, damit er sich aufs Bett freut. Übrigens egal, zu welcher Tageszeit.

JOMO: Endlich ins Bett

Also warum nicht mal etwas aufschieben oder einen Termin absagen, um stattdessen lieber zu schlafen? Wie wäre es mit neuen Prioritäten? 

Foto: pixabay Uki_71 ID: 2450364

Was uns nun am Ende zur Erwiderung auf anfangs erwähnte FOMO (wir erinnern uns: die Angst, etwas zu verpassen) führt: Die Antwort auf FOMO lautet: JOMO!
The Joy of missing out feiert, die Freude daran, etwas zu unterlassen – und findet zum Glück immer mehr Anhänger.

 Titelbild: pixabay.com StockSnap ID: 2586014


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