So viele Schlafmittel, so wenig Schlaf

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 Schlafhilfen

 Abini Herzberg

 20.12.2017

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So viele Schlafmittel, so wenig Schlaf
4.8 Sterne (4 Votes)

So viele Schlafmittel, so wenig Schlaf

Schlafen muss jeder Mensch. Denn Schlaf ist wesentlich für die biologische und psychische Regeneration. Wer also nicht durchschlafen oder überhaupt erst gar nicht einschlafen kann – der beginnt, darunter zu leiden. Und dieses Leiden wird immer schlimmer.
Doch welche Schlafmittel gibt es, um müde zu werden? Um endlich zu schlafen? Helfen Schlaftabletten tatsächlich? Wie wirken andere Schlafmittel? Und warum wirken sie nicht bei jedem? Viele Antworten hat Dr. Google. Doch dies ist ein sehr individuelles Thema, das eigentlich nicht pauschal beantwortet werden kann.

Schlaflosigkeit kann schon nach kurzer Zeit zu einer echten Schlafstörung führen! Dagegen will und muss man etwas tun. Der nächste Schritt führt daher zum Besuch beim Arzt.

Zu welchem Mediziner sollte ich gehen?

Einige Mediziner sagen:
Am besten findet sich der Betroffene damit ab, dass er wenig Schlaf bekommt.

Viele Schlaflose finden:
Ich muss morgen wieder fit sein und kann es mir gar nicht leisten, nicht zu schlafen.

Wir meinen:
Wer anhaltende Schlafschwierigkeiten hat, sollte diese vom Fachmann behandeln lassen.

Schlafhelfer Nummer 1 ist der Allgemeinmediziner. Da Schlafprobleme aber sehr viele unterschiedliche (organische, psychische bzw. seelische) Ursachen haben, sind diese nicht immer beim Hausarzt abzuklären. Dieser aber kann an einen Facharzt, z.B. einen Internisten, Neurologen oder Psychotherapeuten überweisen. Mehr als jeder dritte Patient mit Schlafstörungen bekommt übrigens eine Psychotherapie.

 Ein Überblick der Fachärzte

Wichtig ist immer, dass der weiterbehandelnde Facharzt auch auf die Wechselwirkungen mit anderen Mitteln achtet. In seltenen Fällen gibt es unter den anderen Medikamenten schon den Übeltäter: So können etwa psychoaktive Arzneien einen guten Schlaf verhindern. Das sollten Arzt und Patient gemeinsam besprechen.
Doch selbst Spezialisten können nicht immer helfen. Meist werden über einen langen Leidensweg nur Ursachen ausgeschlossen, nicht gefunden. Und selbst wenn der Auslöser klar ist, gibt es noch keine Garantie auf eine erfolgreiche Behandlung - also Heilung.

Wie gut ist die Versorgung?

Deutschland ist ausgeschlafen? Das sagt eine Studie der TK, es klingt optimistisch – doch es gilt keineswegs für alle. 40 Prozent der Menschen sind mit ihrem Schlaf unzufrieden, viele haben wiederkehrende Schlafprobleme - jeder Zehnte leidet sogar an chronischen Schlafstörungen. Trotzdem mangelt es hierzulande an einer Fachrichtung: dem Schlafmediziner als primären Ansprechpartner. Auch die Zahl der Schlafzentren müsste aufgestockt werden. Vielleicht ließe sich auch gleich deren Spektrum erweitern: Denn derzeit beschäftigen sich die Zentren vor allem mit Atemstörungen beim Schlafen.
Und überhaupt, müsste es mehr Aufklärung über Schlafprobleme und mehr Prävention in Schule und Beruf geben.

Schlafmittel ohne Rezept

Kein Wunder also, dass viele Menschen – immerhin mehr als 70 Prozent – versuchen, sich selbst zu helfen. Jeder Zweite von ihnen besorgt sich ein oder mehrere  Schlafmittel ohne Rezept. Oft auch ohne fachmännische Beratung.
Schlaflose sind längst sehr experimentierbereit: So empfehlen sie sich untereinander etwa den MELMschen Schlaf- und Nervensaft. Der ist einfach übers Internet zu beziehen und hat es wirklich in sich: Einerseits zwar sehr durchgreifend, führt er am nächsten Tag jedoch zu starken Einschränkungen. Das sollte jeder vor der Einnahme wissen. Dies ist eher eine Medizin für ziemlich Verzweifelte, die zudem ein langes Wochenende vor sich haben und unendlich ausschlafen können. Nicht ganz so stark wirkt Hoggar Night - ein Mittel aus der Rubrik: Schaftabletten ohne Rezept.
Unser Rat: Beide Schlafmittel wirken sehr stark. Hier ist unbedingt auf die individuelle Dosierung zu achten. Die Ersteinnahme sollte deshalb vorsichtig, also besser unterdosiert erfolgen.

Melatonin: Placebos aus dem Internet

Welcher Wecker für wen? Jetzt anmelden!

Und auch die Wirkung der Wunderpille Melatonin darf angezweifelt werden. Als Schlafhilfe taugt Melatonin - selbst nach 4 Wochen Einnahme - wenig, gegen Jetlag hilft’s manchmal. Im Körper steuert das Hormon unseren Tag-Nacht-Rhythmus, als Tablette soll es beim Einschlafen helfen. In Deutschland ist es verschreibungspflichtig, in den USA oder anderen europäischen Ländern nicht.

 

Doch Vorsicht bei einer rezeptfreien Internetbestellung! Unsere Redaktion erreichte beispielsweise ein Päckchen aus Spanien, wo Melatonin draufstand, aber Placebos drin waren.

Bevor man zur Schlaftablette greift

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) rät, nicht gleich zur Schlaftablette zu greifen, sondern erst einmal sein eigenes Schlafverhalten zu beobachten. Das Zauberwort heißt: Schlafhygiene. Diese beginnt schon lange vor dem Zubettgehen, nämlich am Tag. So kann jeder Betroffene schon einmal sein eigenes Ausschlussverfahren durchführen.

10 TIPPS ZUR SCHLAFHYGIENE

Die Gefahr von Medikamentenmissbrauch

Schlafmittel: Nebenwirkungen

Gedächtnisstörungen
Konzentrationsdefizit
Müdigkeit tagsüber
Niedergeschlagenheit
eingeschränktes Reaktionsvermögen
Benommenheit
Kopfschmerzen
Schwindelgefühl
Stoffwechselstörungen
Muskelschwäche
Sehstörungen
Herzrasen

Egal, ob die Schlafmittel rezeptfrei oder rezeptpflichtig sind: Mediziner beklagen, dass Apotheker zu wenig über die Risiken und Nebenwirkungen aufklären und dadurch die Gefahr von Medikamentenmissbrauch zunimmt. Insgesamt nehmen hierzulande tatsächlich drei Millionen Betroffene Schlafmittel ein, Tendenz steigend: Allein unter den Arbeitnehmern hat sich die Einnahme seit 2010 verdoppelt. Nach dem neuen Jahrbuch Sucht (vorgestellt im März 2018) sind in Deutschland 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen sogar von Arzneimitteln abhängig – insbesondere von Tranquilizern und Schlafmitteln. Besonders betroffen seien ältere Menschen, vor allem Frauen.

Wer mal bis zu zwei, drei Wochen eine Zeit mit einem Schlafmittel überbrückt, kann dies relativ unbesorgt tun. Eine dauerhafte Einnahme jedoch ist bedenklich.

So erkennt man Medikamentenmissbrauch.

Schlaftabletten vom Schlafmediziner – und dann?

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass viele Mediziner schnell Schlaftabletten verschreiben. Im Schlaflabor der Charitè beispielsweise, gab es mitunter zur Behandlung nur Präparate aus dem Ausland (z.B. USA), die am deutschen Patienten getestet wurden – unter Ausschluss der Haftung, wie der Patient dann unterschreiben musste.
Nun weiß der Patient, dass ein Schlaflabor nicht heilt, sondern im besten Fall eine Diagnose erstellt. Wenn die Diagnose nach etlichen Untersuchungen aber schlicht „Durchschlafstörung“ heißt, ist auch der letzte Optimist frustriert. Wusste er das nicht schon vorher?
Trotz vieler wissenschaftlicher Fortschritte ist eben auch heute noch nicht alles lösbar. Nicht alles ausreichend erforscht. Mehr geht manchmal nicht. Das liegt daran, dass die Ursache der Schlafstörung nicht immer gefunden wird.

Die Sucht: Auch pflanzliche Mittel können abhängig machen 

Von den geplagten Schlaflosen nimmt fast jeder vierte Deutsche Schlafmittel länger als drei Jahre ein. 1,9 Prozent der Menschen sind sogar nach Schlafmitteln süchtig. Was bei den pharmazeutischen Z-Substanzen und Benzodiazepinen (den schlaffördernden Beruhigungsmitteln) nicht verwundert, schon gar nicht bei den Barbituraten (den schlaferzwingenden Narkosemitteln). Denn werden diese unkontrolliert eingenommen, können sie auch abhängig machen.
Erstaunlich ist eher, dass es auch eine Sucht nach pflanzlichen Schlafmitteln gibt. Da kann sich bei dauerhaftem Gebrauch eine psychische Abhängigkeit einstellen, die nicht zu unterschätzen ist. Diese kann bis hin zur Unverträglichkeit führen.

Eine Sucht, also das entschlossene Verlangen, ist aber nicht die zwangsläufige Folge von Schlafmitteln. Wohldosiert macht nicht jedes Schlafmittel automatisch abhängig.

Gängige Einschlafhilfen hinterfragt

Hilfreich kann es schließlich auch sein, alle Einschlafhilfen mal genauer zu betrachten – das Für und Wider abzuwägen oder modische Erscheinungen und bewährte Klassiker zu hinterfragen. In einer kleinen Übersicht beantworten wir Fragen wie diese:

Sind Schlaftabletten ein Tabu?
Wem helfen pflanzliche Mittel?
Wie gut helfen Entspannungstechniken?
Wie wichtig ist das Licht?
Sind Schlaf-Apps sinnvoll?
Welche Einschlafrituale gibt es?

Beliebte Einschlafhilfen auf einen Blick

Nur Schäfchen zählt im wahren Leben kaum einer

Aber leider, leider: Egal, ob Schlafrituale oder Schlafhygiene, Schlafmittelchen oder Einschlafhilfen – es gibt viele Tipps, die chronisch Schlafgestörte schon so oft gehört, so oft versucht haben – und die nie wirkten. Schäfchen zählen? Keinen Bock mehr. Schon schlimm genug, wenn man die vielen schlaflosen Nächte zählt. 

Einschlafhilfen: Schäfchen zählen kann Schlaflose nerven

Ach wäre das schön, wenn sich die Innere Uhr einfach verstellen ließe. Aber das geht nicht. Ist eine genetische Geschichte. Dafür ist am Ende alles erlaubt, was einem den Druck nimmt. Wen Gedanken umtreiben, der sollte sie aufs Band sprechen oder niederschreiben – damit er sie los wird. Wer sich belohnen will, der sollte in einen schönen Schlafbereich oder in seine liebste Bettwäsche investieren  – damit er sich wohlfühlt. Wer den Abend vom Alltag trennen will, der sollte ganz bewusst den Tag verabschieden: Die Fenster öffnen und frische Nachtluft ins Zimmer lassen.

Bloß nicht herumquälen! Bitte nicht verzweifeln! Für einen guten Schlaf ist eine behagliche Schlafumgebung der perfekte Anfang. Denn wer sagt denn, dass man sich in seiner Schlaflosigkeit nicht wenigstens schön einrichten kann?

Titelfoto: pixabay.com stevepb ID: 437743


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