Tiefschlaf ist wichtiger als Langschlaf

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 Interviews, Schlaf gut

 dpa

 10.12.2017

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Tiefschlaf ist wichtiger als Langschlaf
3.8 Sterne (5 Votes)

Tiefer Schlaf ist wichtiger als langer Schlaf

Schlaf ist immer ein Thema. „Hast Du gut geschlafen?“ - das ist oft die erste Frage am Morgen. Doch guter Schlaf ist nicht nur ausreichend langer Schlaf, sondern auch ein ruhiger Tiefschlaf.

Vieles hängt von der Schlafqualität ab

Der Stellenwert von Schlaf sei kulturell oft ganz unterschiedlich, sagt der Regensburger Schlafforscher Jürgen Zulley. In Deutschland könnte er noch etwas höher sein. Schlaf hat irrtümlicherweise noch oft ein schlechtes Image.

So ist es in Asien selbstverständlich, tagsüber zu schlafen. In Deutschland gelte der Mittagsschlaf eher als unproduktiv.
Die meisten schlafen hierzulande auch nur 7 Stunden, obwohl im Durchschnitt 8 empfohlen werden.
Jedoch sagt die Schlafdauer wenig über die Schlafqualität aus. Wichtiger sind beispielsweise die Tiefschlafphasen.
Schließlich halten Apps und Schlafmessgeräte immer mehr Einzug in die Schlafzimmer. Doch sie sind eher kontraproduktiv.

Schlafmangel macht krank und dumm. So würde es der Schlafforscher Jürgen Zulley plakativ formulieren. Der Professor für Biologische Psychologie dazu im Interview.

Wie ist es um unseren Schlaf bestellt?

"In Deutschland sind es ziemlich genau sieben Stunden, die wir schlafen - von 23.04 Uhr bis 6.18 Uhr mit einer Viertelstunde Einschlafzeit. Das haben wir in einer großen, repräsentativen Untersuchung festgestellt. Das ist eine Schlafdauer, die seit sehr langer Zeit üblich ist. Die Dauer sagt aber wenig über den Erholungswert des Schlafes."

Wann kommt der Tiefschlaf?

"Auf jeden Fall nicht, wenn man abends vor dem Einschlafen noch am Smartphone und dem Tablet herumspielt. Die Anspannung reduziert die Schlafqualität. Man braucht bestimmte Anteile von Schlafstadien in der Nacht. Erholung bekommt man nur im Tiefschlaf. Den hat man immer nur in den ersten vier bis fünf Stunden. Wir sollten auch möglichst wenig längere Unterbrechungen des Schlafes haben und die persönliche Schlafdauer einhalten. Die hat man erreicht, wenn man sich am Tag überwiegend fit und ausgeschlafen fühlt."

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"Schlaf ist ein aktiver Erholungsprozess. Nach außen sieht es zwar wie ein Ruhezustand aus, ist es aber nicht. Was die Hirnaktivität betrifft, sind wir im Schlaf teilweise wacher als im Wachzustand. Alle Prozesse, die für Regeneration sorgen, werden aktiviert. Nur im Tiefschlaf wird zum Beispiel ein Wachstumshormon ausgeschüttet, das für die Zellerneuerung und den Fettabbau sorgt. Und alles, was wir am Tag gelernt haben, wird in der Nacht abgespeichert."

Neue Prioritäten setzen

Der Stellenwert von Schlaf ist kulturell leider noch ganz unterschiedlich. Dabei ist es höchste Zeit, unserem Schlaf eine hohe Priorität zu geben."
Jürgen Zulley, Schlafforscher

Wer viel schläft, ist also gar nicht faul?

"Das ist genau der große Irrtum. Gesunder Schlaf ist die Voraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Bei uns gilt Schlaf oft als etwas Negatives. Die Einstellung ändert sich aber langsam. Vor 30, 40 Jahren galt man noch als Penner, wenn man am Tage schlief. Der eigentlich wichtige Mittagsschlaf galt als unproduktiv. Im Zuge eines verstärkten Gesundheitsbewusstseins erhält Schlaf zunehmend einen anderen Stellenwert."

Können Apps und Messgeräte unseren Schlaf optimieren?

"Damit misst man nicht den Schlaf, sondern Bewegung. Daraus kann man nur grob schlussfolgern, wie lange und wie gut man geschlafen hat. Das Gerät kann nicht unterscheiden, ob man ruhig wach im Bett liegt oder sich im Tiefschlaf befindet. Ich halte diesen Hype für kontraproduktiv. Wir wissen, dass eine Fixierung auf den Schlaf - wozu das ständige Kontrollieren führt - das Risiko für Schlafstörungen erhöht. Und seinen Schlaf kann man mit den Aufzeichnungen auch gar nicht verbessern."

Interview: Irena Güttel, dpa, 15.11.2017
Titelbild: pixabay.com LifeOfPix ID: 413714

Zur Person:
Jürgen Zulley (71) ist Professor für Biologische Psychologie an der Universität Regensburg. Bis zu seinem Ruhestand leitete er über Jahre das Schlafmedizinische Zentrum am Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg. Er steht der Sommerzeit kritisch gegenüber und fordert einen späteren Schulanfang.

 

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