Schlafapnoe – der Atem setzt aus

Schlafapnoe – der Atem setzt aus

Schlafapnoe – der Atem setzt aus

Generic selectors
Genaue Treffer
Suche in dem Titel
Suche im Text
Suche in Artikeln
Suche in Seiten
nach Themen filtern
Allgemein
Anzeige
Matratzen
Matratzen Ratgeber
Schlaf gut
Schlafhilfen
Schlafstörungen
Schlafzimmer
SERIE: Einschlafen
Tests
Videos
Zeitumstellung

 Schlafstörungen

 Pamela Becker

 12.01.2018

 2 Kommentare

Schlafapnoe - Atemaussetzer während des Schlafs

Das Wort Apnoe stammt aus dem Griechischen und heißt übersetzt Nichtatmung oder Atemstillstand. Schlafapnoe sind Atemaussetzer, die ausschließlich während des Schlafes auftreten. Die Atmung setzt periodisch bis zu über 100 Mal für kurze Zeit aus. Sobald der Körper zu wenig Sauerstoff erhält und der Kohlendioxidgehalt im Körper steigt, folgt eine Weckreaktion durch das Gehirn und der Betroffene schnappt angestrengt nach Luft.
Schlafapnoe zählt zu einer der häufigsten Schlafstörungen. Betroffen sind in Deutschland zwischen 7 und 8 Prozent der Erwachsenen, wobei doppelt so viele Männer wie Frauen unter Apnoe leiden. Problematisch ist, dass es für den Betroffenen schwer ist, Atemaussetzer zu erkennen. Schlafapnoe wird meist von lautem Schnarchen begleitet, deshalb sind es die Partner, die diese Atemaussetzer bemerken. 


Es gibt zwei Formen der Schlafapnoe

Die zentrale Form der Schlafapnoe

Weniger als 10 Prozent aller Betroffenen leidet unter der zentralen Form der Schlafapnoe. Diese wird durch eine Fehlsteuerung im Schlafzentrum ausgelöst. Die Sendung des Gehirns an die Muskulatur zur Atmung setzt aus. Sobald eine bestimmte Grenze des Kohlendioxidgehalts im Blut überschritten ist, reagiert das Gehirn und die Atmung setzt wieder ein. Die zentrale Form der Schlafapnoe stellt eine Schädigung des zentralen Nervensystems dar. Die Ursachen liegen in den meisten Fällen in einer anderen Grunderkrankung begründet. Das geschädigte Atemzentrum kann infolge einer Entzündung oder Durchblutungsstörung im Gehirn entstanden sein. Rund 50 Prozent der Betroffenen leiden an einer Herzerkrankung, die mit einer verminderten Blutzirkulation einhergeht. In vielen Fällen entsteht eine zentrale Schlafapnoe als Folgeerkrankung eines Schlaganfalles. 

Die obstruktive Schlafapnoe

Die obstuktive Schlafapnoe ist die häufigste Form der Schlafstörung. Die Rachenmuskeln sind erschlafft, während die Atemmuskulatur arbeitet. So entsteht beim Einatmen ein Unterdruck, der die Atemwege verengt. Der Widerstand ist für die Luft zu hoch, es fällt schwer, Luft zu holen. Die Folge sind Atemaussetzer. 

Risikofaktoren Schlafapnoe

Auffällig ist, dass rund 80 Prozent der Betroffenen übergewichtig sind. Daneben gibt es weitere zahlreiche Risikofaktoren: 

  • Adipositas
  • Polypen
  • Nasenscheidewandverkrümmung
  • Vergrößerte Rachenmandeln 
  • Bindegewebskrankheiten
  • Erschlaffung der Rachenmuskulatur durch Veranlagung
  • Konsum von Rauschmitteln, Nikotin und Schlafmitteln
  • Angeborene Fehlbildungen und Fehlstellungen des Unterkiefers
  • Vergrößerte Zunge

Folgen der Schlafapnoe

Die Tiefschlaf-Phasen eines Betroffenen fallen durch die Atemaussetzer nahezu weg. Damit hat der Körper zu wenig Möglichkeit, sich ausreichend zu erholen. Zusätzlich führt ein erhöhter Kohlenmonoxidgehalt im Blut zu einer mangelnden Versorgung der Gewebe im Körper und im Gehirn. Weniger Tiefschlaf und erhöhter CO2 Gehalt können schwerwiegende Konsequenzen in der Lebensqualität nach sich ziehen. Bei einer unbehandelten Schlafapnoe sinkt die Lebenserwartung um um etwa 10 Jahre

01

Allgemeine Folgen

Tagesmüdigkeit, Erschöpfung, Gedächtnisstörungen, Schwindel, Mundtrockenheit, depressive Verstimmungen, Erektionsstörungen, Impotenz, Sekundenschlaf und verzögerte Genesungen vorangegangener Erkrankungen sind allgemeine Folgen der Schlafapnoe. Berufskraftfahrer werden routinemäßig auf die Erkrankung hin untersucht. Ein plötzliches - wenn auch nur kurzes - Einnicken am Steuer oder Arbeitsplatz kann schwerwiegende Unfälle nach sich ziehen. 

02

Herzkreislauferkrankungen

Bluthochdruck, Rechtsherzinsuffizienz, Herzinfarkte und Schlaganfälle können als Folge der Schlafapnoe auftreten. Auch ein plötzlicher Herztod kann mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eintreffen.

03

Stress-Erkrankungen

Magengeschwür, Tinnitus, Hörsturz, Diabetes Mellitus (Typ 2) wird ebenso wie eine Insulin-Resistenz mit einer chronischen Schlafapnoe in Zusammenhang gebracht.

Therapieansätze Schlafapnoe

Selbst-Test / Partner-Test Schlafapnoe

Nicht alles bekommen die Betroffenen selbst mit, denn die Apnoe offenbart sich nun mal im Schlaf. Deshalb ist es optimal, wenn Du alle Symptome durch Selbstreflexion und Befragen des Partners zusammentragen kannst. Bei diesen Anzeichen liegt der Verdacht einer behandlungsbedürftigen Apnoe nahe:

  • Schnarchen
  • Atemaussetzer länger als 10 Sekunden
  • Mindestens 5 Atemaussetzer pro Stunde
  • Lautes, mühsames Luftholen
  • Kopfschmerzen nach dem Aufwachen
  • Tagesmüdigkeit, kurzes Einnicken am Tage
  • Konzentrationsprobleme

Heilbar ist eine Schlafapnoe nicht, eine konsequente Behandlung kann die Risiken der Folgeerkrankungen jedoch auf ein Normalmaß verringern. Seit mehr als 30 Jahren wird in Deutschland zum Thema Schlaf geforscht. Jährlich finden die sogenannten SNAK- (schlafbezogene nächtliche Atmungs- und Kreislaufstörungen) Tagungen statt. Hier treffen Spezialisten für Schlafstörungen, darunter Lungenärzte, HNO-Ärzte und seit einiger Zeit auch Zahnärzte und Kieferorthopäden zusammen und berichten über neue Entwicklungen und alternative Behandlungsmethoden.

Untersuchung

Zeigt der Selbst-Test / Partner-Test die klassischen Symptome einer Schlafapnoe, ist der Weg zum Arzt dringend angeraten. Nach der Verdachtsdiagnose kann der Arzt eine Blutuntersuchung durchführen. Bestehen die Atemaussetzer längere Zeit, sind im Blut durch den nächtlichen Sauerstoffmangel vermehrt rote Blutkörperchen nachweisbar. Danach könnte beispielsweise in einem Schlaflabor ermittelt werden, welche Form der Schlafstörung vorliegt. 

Lebensstil

Begleitend wird jeder Arzt raten, die Risikofaktoren der Atemaussetzer zu minimieren: Dauerhafte Reduktion von Übergewicht, Aufgabe des Tabakkonsums und Verzicht auf Alkohol 3-4 Stunden vor dem Zubettgehen. 
Außerdem sollte der Schlaf in Rückenlage vermieden werden, denn in dieser Position kann sich der Rachenraum am ehesten verengen. Es gibt Apnoe-Patienten, deren Atemaussetzer ausschließlich in Rückenlage auftreten. Dann können Schlafwesten unterstützen, denn sie verhindern, dass unbewusst die Rückenlage eingenommen wird.

CPAP-Therapie

Der Patient schläft mit einer Atemmaske. Dabei wird Luft über die Nase oder über Mund und Nase zugeführt. Ziel ist es, die Atemaussetzer zu verhindern. Dazu wird der benötigte Beatmungsdruck individuell in einem Schlaflabor eingestellt. Die Geräte sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber: sie helfen. Und in den letzten Jahren wurden die Modelle kleiner und leiser, aktuell sind sie kaum noch zu hören - und stören so den eigenen Schlaf oder den des Partners nicht. Diese klassische Behandlungsmethode erzielt große Wirkung. Patienten berichten, dass sie nach langer Zeit endlich gut schlafen können und sich erholt fühlen. Allerdings muss die Anwendung konsequent erfolgen. 

Unterkieferschiene

Der Patient erhält - nach Abformung der Zähne - eine individuell gefertigte Schiene. Diese verringert, dass der Rachenraum eingeengt wird. Die Atemwege werden mechanisch offen gehalten und so die Atemaussetzer verhindert. Auswertungen zeigen, dass mit regelmäßigem Einsatz dieser Protrusionsschienen der Blutdruck gesenkt und der Betroffene von der Tagesmüdigkeit therapiert wird.

Stent für Nase und Rachen

Je nach Schwere der diagnostizierten Apnoe, gibt es unterschiedliche Stents (röhrchenartige Gefäßstützen), die entweder ausschließlich in der Nase oder von der Nase bis zum Rachenraum platziert werden. Der Stent verhindert, dass das Weichgewebe im Bereich des Gaumensegels oder im Rachenbereich durch die erschlaffte Muskulatur beim Atmen angesaugt wird und den Atemweg verschließt. Positiv ist, dass der Stent vor dem Zubettgehen selbst eingesetzt und am Morgen herausgenommen werden kann. In vielen Fällen führt der regelmäßige Einsatz eines Stents zu einer deutlichen Verbesserung der Schlafapnoe. In einigen Fällen wird der Stent in Kombination mit einem CPAP-Gerät angewendet. 

Operation

In einigen Fällen kann ein operativer Eingriff die Atemaussetzer verhindern. Diese Eingriffe im Rachenraum können jedoch sehr schmerzhaft sein und garantieren keinen Erfolg. Dieser ist unter anderem auch abhängig von der Art der Atemwegsverengung. Folgende operative Eingriffe gib es: 

  • Straffung des Gaumenzäpfchens und Abtragung von Gewebe am Gaumen
  • Abtragung von Gewebe am Gaumen, der Nasenmuschel oder Mandeln durch Radiofrequenztherapie. Die entstehenden Narben sollen das Gewebe dauerhaft straffen
  • Straffung der Gaumensegel durch Laser
  • Verbesserung der Belüftung der Nase durch Operation der Nasenmuscheln
  • Operative Begradigung einer schiefen Nasenscheidewand
  • Operative Vorverlagerung des Unterkiefers 

Was Blasinstrumente mit einer Schlafapnoe zu tun haben

Studien zeigen, dass Menschen, die ein Blasinstrument spielen, ein deutlich verringertes Risiko haben, an Schlafapnoe zu erkranken. Das Musizieren trainiert die Muskeln der Atemwege, einer Erschlaffung der Rachenmuskulatur wird damit vorgebeugt. Digeridoo statt Atemmaske? Vielleicht hilft es. In jedem Fall ist dies aber nur eine Alternative für Eigenheimbesitzer...

Hilfe - Diagnose Schlafapnoe

Dein behandelnder Facharzt hat eine Schlafapnoe diagnostiziert und wird Dich ausführlich beraten und Behandlungsmöglichkeiten mit Dir besprechen. Ergänzend dazu findest Du auf dieser Webseite umfangreiche Informationen zu allen Schlafkrankheiten. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. (DGSM) bietet unter anderem auch eine Übersicht der Dachverbände, die sich explizit zum Thema Schlafapnoe gegründet haben. Es lohnt auch der Blick auf diese Webseiten, denn zusätzlich zu umfangreichem Informationsmaterial sind dort regional organisierte Anlaufstellen und Selbsthilfegruppen gelistet.

Titelbild: pixabay.com typographyimages ID: 1910649


Weitere interessante Artikel zum Thema:

Hast Du Erfahrung mit Schlafapnoe? Dann schreib uns!

Diesen Artikel kommentieren

Alle Kommentare

  • Anonymous

    28.03.2018, 8:50 Uhr

    Sehr aufschlussreicher Artikel zum Thema Schlafapnoe..
    Leider kann ich nicht voten:-/ Er lässt mich nicht.

    • Pamela Becker

      28.03.2018, 13:47 Uhr

      Liebe Barbara, hast Du mobil versucht, den Artikel über die Sterne zu bewerten? Eine Bewertung ist momentan ausschließlich über Desktop möglich. Wir arbeiten an einer technischen Lösung für Mobilgeräte und informieren Dich, sobald es funktioniert. Danke für Deinen Hinweis, Dein 8proNacht Team