Wem nutzen Schlaftracker und Apps?

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 Schlafhilfen

 Redaktion

 22.12.2017

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Wem nutzen Schlaftracker und Apps?
5 Sterne (3 Votes)

Wie sinnvoll ist ein Schlaftracker oder eine Schlaf-App?

Fast jede Schlaf-App verspricht genaue Messungen der Schlafphasen und dadurch einen optimalen Weckzeitpunkt. Schlaftracker verfolgen angeblich die Spuren der letzten Nacht und werten sie dann aus. Doch jene Programme  können nicht wirklich den Schlaf messen, sondern nur unsere Bewegung abbilden. Daraus lässt sich nur grob schlussfolgern, wie lange und wie gut man geschlafen hat. Eine Tiefschlafmessung wie in einem Schlaflabor ist gar nicht möglich.

Weckzeit besser nicht von Apps vorschreiben lassen

Schlafüberwachungs-Apps

Sie können nur erkennen, dass sich jemand bewegt. In welcher Schlafphase das genau geschieht, lässt sich nicht zuverlässig klären. Verbessern kann man seinen Schlaf erst recht nicht durch Apps.

Und manchmal klingelt der Wecker sogar früher als nötig. Dabei sollte jeder so lange wie möglich schlafen. Prof. Ingo Fietze von der Berliner Charité meint, man sollte lieber allen Schlaf nutzen, den man kriegen kann. In den frühen Morgenstunden lägen ohnehin rund 95 Prozent der Tiefschlafphasen hinter einem.

Immerhin, so räumt er ein, kann aber am Abend die Erinnerung einer Schlaf-App ans Zubettgehen hilfreich sein.

Die Analyse einer Schlaf-App reicht für eine genaue Messung also überhaupt nicht aus. Für eine zuverlässige Bestimmung der Schlafphasen sind auch Hirnstrommessungen und eine Messung der Aktivität von Augen- und Kiefernmuskulatur nötig. Für den Mediziner sind daher die Apps nicht mehr als modischer „Hokuspokus“.

Apps und Schlaftracker sind Hokuspokus

Apps und Schlaftracker liefern demnach keine halbwegs seriösen Daten. So lassen sich bspw. die Atmungsqualität oder die Sauerstoffsättigung im Blut überhaupt nicht darstellen. Auch der Schlafforscher Jürgen Zulley sagt: Mit derlei Programmen könne man nur grob schlussfolgern, wie lange man geschlafen habe: "Das Gerät kann nicht unterscheiden, ob man ruhig wach im Bett liegt oder sich im Tiefschlaf befindet." Auch er hält den Hype für kontraproduktiv. Wer sich auf den Schlaf fixiert – und das tut zweifellos jeder, der sich ständig kontrolliert – der erhöht damit wiederum sein Risiko für Schlafstörungen. "Und seinen Schlaf", sagt der Forscher, "kann man mit den Aufzeichnungen auch gar nicht verbessern."

Überwachung! Die Gefahr der Datensammlungen

Nicht zuletzt dürfen wir uns nicht über den Verlust unserer Privatsphäre beklagen und uns zugleich durch Leichtfertigkeit öffentlich machen. Gern wird vergessen: Unsere digitalen Aufzeichnungen sind nicht nur für uns selbst einsehbar. Sie sind bei weitem nicht nur nützliche Helfer. Handy-Apps, die den Schlaf (auch die Fitness, das Essverhalten u.v.a.) aufzeichnen, geben die persönlichen Daten an Mini-Computer weiter, die unsere Gesundheit auswerten. Wie gefährlich diese Protokollierung sein kann, zeigte Anfang 2017 die Ausstellung  "No Secrets!" in München. Gehen die privaten Daten erstmal ins Netz, können Versicherungen, Handels- oder Pharmakonzerne diese Daten abgreifen, um damit Geschäfte zu machen. Und sei es eines Tages ein neues Bezahlmodell, abhängig vom individuellen Schlaf. Was sich später daraus entwickeln kann, ist für den Nutzer heute jedenfalls noch nicht abzusehen. Vorhersehbar ist nur: Dann bezahlen wir für unsere Bequemlichkeit einen hohen Preis. 

  Von wegen Privatsphäre ...

Wir nehmen die Überwachung bereitwillig hin, weil wir denken, dass die Vorteile überwiegen. Was aber sollte uns davon abhalten, diese bequeme Haltung nocheinmal kritisch zu hinterfragen?
Rudolf Scheutle, einer der Kuratoren der Ausstellung "No Secrets!"

(mit dpa, 23.10.2017), Titelfoto: pixabay.com LoboStudio Hamburg ID: 3113279


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