Ein Plädoyer: Schlaf gut

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 Schlaf gut

 Pamela Becker

 02.01.2018

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Ein Plädoyer: Schlaf gut
4.8 Sterne (10 Votes)

Ein Plädoyer: Schlaf gut

Unser Alltag nimmt uns in Beschlag. Wir eilen von Termin zu Termin, arbeiten unsere ToDo-Listen ab und organisieren nebenbei noch dies und das. Oft kommt noch Unerwartetes hinzu. Wir kommen nicht zur Ruhe, blenden unsere eigenen Bedürfnisse aus und rutschen in der Priorität nach unten. Nur was passiert, wenn wir uns nicht mehr wichtig nehmen? Der Alltag wird schwer und mühsam, am Ende des Tages können wir nicht gut schlafen. Nur 10 Prozent aller Schlafprobleme basieren auf einer körperlichen, neurologischen oder psychischen Erkrankung. Anders gesagt: 90 Prozent aller Probleme beim Schlafen entstehen nicht wegen gesundheitlicher Beschwerden. Es genügt, dass wir uns unter Druck setzen, großes Gewicht auf unseren Schultern spüren, über ungelöste Probleme nachdenken - und manchmal gut schlafen auch einfach für nicht wichtig halten.

Schlafen ist keine Zeitverschwendung, gut schlafen schenkt uns Zeit. Erst wenn wir zur Ruhe kommen und etwas für uns tun, gewinnen wir neue Energie. Gut schlafen heißt auch: leistungsfähig und gesund bleiben. Etwas für uns zu tun.

Warum ist gut schlafen lebensnotwendig?

Es ist heute wissenschaftlich längst nicht alles über das Schlafen geklärt. Während man früher noch vom Schlafen als "kleinen Bruder des Todes" sprach, wissen wir heute um die Wichtigkeit des Schlafes.

Was passiert während wir schlafen?

Unser Körper ist alles andere als inaktiv, während wir schlafen. Wie wichtig gut schlafen ist, stellt man fest, wenn dieser gestört ist, denn Schlaf benötigen wir zur Regeneration des Körpers. Nach dem Einschlafen sinken Blutdruck und Herzfrequenz ab. Die Atmung wird langsamer und die Körpertemperatur fällt ab. Schadhafte Zellen werden ausgesondert und ausgeschieden. Es finden Stoffwechselprozesse statt. Unser Gehirn steuert nachts die Gedächtnisleistungen. Unwichtige Informationen werden von wichtigem Wissen getrennt, das Relevante wird im Langzeitgedächtnis gespeichert. Einige Hormone werden während wir gut schlafen vermehrt ausgeschüttet. Dazu gehören Wachstumshormone oder beispielsweise Renin, das wir für die Funktion unserer Nieren benötigen. Ohne Schlaf haben wir kein funktionierendes Immunsystem, denn unsere körperliche Abwehrkräfte steht in direktem Zusammenhang mit der Dauer und der Qualität unseres Schlafes. Zusammengefasst bedeutet dies: Während wir gut schlafen, finden viele komplexe Vorgänge statt, die lebenswichtige Körperfunktionen steuern. 

Welche Phasen gibt es?

Unser Schlaf verläuft in 5 Phasen, die im EEG deutlich messbar sind. Dazu zählt bereits die Einschlafphase (1), in der wir zwar noch bei Bewusstsein sind, jedoch unter zunehmender Entspannung langsam Einnicken, zwischendurch von Muskelzuckungen wieder kurz aufwachen, bevor wir ganz in den guten Schlaf übergleiten. Danach gehen wir vom leichten schlafen (2) in den beginnenden Tiefschlaf (3) über. In dieser Phase sind wir nur schwer zu wecken, unsere Muskeln sind entspannt. Danach folgt der Tiefschlaf (4), dem dann die sogenannte REM-Phase (5) folgt, wobei REM für Rapid Eye Movement steht: Unsere Augen bewegen sich schnell hinter unseren geschlossenen Augenlidern. Die erste REM-Phase dauert nur wenige Minuten. Jeder dieser Zyklen dauert bei einem erwachsenen Menschen rund 90 Minuten. Pro Nacht durchlaufen wir 4-5 dieser Zyklen. Die REM-Phasen nehmen rund 20 Prozent unseres Schlafes ein.

Was bedeuten Träume?

Auch unsere Psyche erholt sich, während wir gut schlafen. Sie muss im Alltag vieles meistern: Entscheidungen treffen, Misserfolge und Erfolge verarbeiten, mit Veränderungen umgehen, Stress aushalten und vieles mehr. Gut Schlafen ist für unsere Psyche nicht nur eine Auszeit, man geht davon aus, dass insbesondere in den REM-Phasen unsere Träume das persönlich Erlebte verarbeiten. Wird man in dieser Schlafphase geweckt, kann man sich ganz besonders gut an die Träume erinnern. In der REM-Phase erscheinen uns die Träume real. Unser Körper ist während dieser Phase wie blockiert und kann der Handlung des Traumes deshalb nicht folgen.  

Wie lange sollten wir schlafen?

Schlafbedürfnis von Kindern

  • bis 3 Monate: 16 Stunden und mehr
  • 4-11 Monate: 12 Stunden und mehr
  • 1-2 Jahre: 11 Stunden und mehr
  • 3-5 Jahre: 10 Stunden und mehr
  • 6-13 Jahre: 9 Stunden und mehr
  • ab 14 Jahre: 8 Stunden und mehr

Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Die Dauer, die wir zum schlafen benötigten, ist individuell und hängt von Faktoren wie dem Alter ab. Kinder brauchen mehr Schlaf, während ein Erwachsener durchschnittlich zwischen 7 und 9 Stunden Schlaf pro Nacht benötigt. Senioren (ab 65 Jahren) schlafen übrigens nicht viel weniger. Sie kommen nachts mit lediglich 40-60 Minuten weniger Schlaf zurecht, halten dafür aber meist Mittagsschlaf. Die ältesten bisher untersuchten Senioren (80 Jahre und älter) kommen noch auf 6,5 Stunden Schlaf. 
Albert Einstein sagt man nach, er habe regelmäßig 12 Stunden pro Nacht geschlafen, Goethe soll 10 Stunden Schlaf gebraucht haben, während J.F. Kennedy zwischen 4 bis 6 Stunden pro Nacht im Bett verbracht haben soll.
Fakt ist, Übermüdung führt zu Konzentrationsproblemen und Abfall der Leistungsfähigkeit. Die benötigte Schlafdauer, um dieser Übermüdung vorzubeugen, ist hingegen individuell unterschiedlich. Als Faustregel gilt: Jeder Mensch muss mindestens einmal in der Woche richtig ausschlafen!

Welche Bedeutung hat die Innere Uhr?

Wir schlafen am besten, wenn der Melatoninspiegel im Körper sein Maximum und die Körpertemperatur ihr Minimum erreicht hat. Frühaufsteher werden diesen Zustand eher am Abend erreichen, Spätaufsteher erst in der späten Nacht. Ob man zu der einen oder anderen Kategorie von Schläfern gehört, ist von den Genen abhängig, denn das individuell ausgeprägte Schlafbedürfnis ist genetisch vorgegeben. Kämpfen wir durch die Vorgaben unseres Alltags ständig gegen unsere Gene an, können sich daraus Schlafstörungen ergeben. Im besten Falle können wir unseren Alltag an unsere Innere Uhr anpassen. Diese steuert das natürliche Schlaf-Wach-Verhalten und gibt damit auch vor, zu welcher Uhrzeit wir besonders leistungsfähig sind.

Wie schlafen Tiere?

Fast alle Tiere, selbst wirbellose Tiere ohne zentrales Nervensystem, leben in einem Schlaf-Wach-Wechsel. Die meisten Säugetiere und viele Vogelarten schlafen ähnlich wie wir. Eine Maus benötigt rund 20 Stunden Schlaf, während eine Giraffe mit 2 Stunden auskommt. Es gibt aber auch deutliche Unterschiede im Schlafverhalten. Einige Vogelarten und Meerestiere sind Halbhirnschläfer. Es schläft jeweils eine Gehirnhälfte, während die andere wacht. Zum Schutz vor Angreifern und Fressneidern ist ein Auge während des Schlafes geöffnet und passt auf, was passiert. Kurios und noch unerforscht ist, warum Kälber im ersten Monat nach ihrer Geburt nicht schlafen. Bei allen anderen Säugetieren schlafen Neugeborene deutlich länger als ausgewachsene Tiere. 

Der Koch

Kennst Du die Geschichte vom erschöpften Koch, der mit seinem stumpfen Messer Kartoffeln schält? Sein Kollege schlägt ihm vor, zunächst das Messer zu schärfen, der Koch antwortet darauf: "Ich habe dafür keine Zeit, ich muss noch 50 Kilogramm Kartoffeln schälen."

Schlaf gut: Auf die Selbstfürsorge achten

Gut schlafen ist wichtig. Räumen wir dem Schlaf die Zeit ein, die unser Körper braucht, um leistungsfähig zu bleiben. Vermeiden wir Störungen unseres individuellen Schlafbedürfnisses, dann bleiben wir gesund. Gut schlafen ist ein Grundbedürfnis. Ein Drittel unserer Zeit verbringen wir im Schlaf. Holen wir den Schlaf aus seinem Schattendasein, kümmern wir uns um ein wunderbares Drittel unserer Zeit. Als Geschenk strotzen wir am nächsten Tag vor Kraft, sind kreativ und der Alltag mit all seinen Aufgaben und ToDos erledigt sich wie von selbst. Geben wir den wichtigen Dingen in unserem Leben ausreichend Raum!

Schlaf Gut!

4 Tipps - Schlaf gut!

01

Lerche oder Eule? - Schlaf gut!

Die Gene entscheiden darüber, wann wir gut schlafen. Erfahre mehr über das individuell ausgeprägte Schlafbedürfnis von Frühaufstehern und Nachtaktiven. Artikel zum Thema: Lerche oder Eule?

02

Schlaf Apps und Schlaftracker - Schlaf gut!

Wie sinnvoll ist der Einsatz von Schlaf Apps, die uns Unterstützung beim gut schlafen versprechen? Und nützt es, das Schlafen zu tracken, um das individuelle Schlafbedürfnis herauszufinden? Artikel zum Thema: Schlaf-App oder Schlaftracker

03

Tiefschlaf wichtiger als Langschlaf - Schlaf gut!

Ist die Dauer des Schlafes entscheidend oder kommt es vielmehr auf die Tiefschlaf-Phasen an? Ein Gespräch mit Jürgen Zulley, Schlafexperte und Professor für Biologische Psychologie. Artikel zum Thema: Tiefschlaf

04

Traumdeutung - Schlaf gut!

Was bedeuten unsere Träume? Eine spannende Reise ins Ich - zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Artikel zum Thema: Traumdeutung
 

Titelbild: pixabay.com Engin_Akyurt ID: 2333297


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