Eule oder Lerche? Die Gene entscheiden

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 Schlaf gut, Studien

 dpa

 18.12.2017

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Eule oder Lerche? Die Gene entscheiden
4.3 Sterne (3 Votes)

Keiner hat die Wahl: Die Innere Uhr ist naturgegeben

Wer einmal Jetlag hatte, weiß, wie wichtig die Innere Uhr fürs Wohlbefinden ist. Geht sie falsch, kann das krank machen. Diese Innere Uhr können wir nicht selbst bestimmen. Sie ist sozusagen naturgegeben. Dies wiesen nun auch die drei Nobelpreisträger für Medizin nach. Keiner kann sich also entscheiden, ob er Eule oder Lerche sein will.

Wie der Taktgeber funktioniert, erforschten maßgeblich drei US-Wissenschaftler. Der Genetiker und Chronobiologe Jeffrey Connor Hall, der Molekularbiologe Michael Rosbash und der Chronobiologe Michael Warren Young waren in der Lage, einen Blick ins Innere unserer biologischen Uhr zu werfen und ihre Funktionsweise zu beleuchten. Ihre Entdeckungen erklären, wie Pflanzen, Tiere und Menschen ihren biologischen Rhythmus so anpassen, dass er mit dem Tag-Nacht-Rhythmus der Erde übereinstimmt. Und sie beweisen, dass uns der biologische Rhythmus genetisch vorgegeben ist. Niemand kann also entscheiden, ob er lieber Eule oder Lerche wäre. Dafür haben die drei Wissenschaftler im Oktober 2017 den Nobelpreis für Physiologie / Medizin bekommen.

Bahnbrechende Entdeckung für unseren Schlaf

Die drei US-Amerikaner konnten 1984 bei Fruchtfliegen ein bestimmtes Gen (period) isolieren, das den biologischen Tagesrhythmus steuert. Hall (72) und Rosbash (73) fanden dann heraus, dass sich das dazugehörige Protein in den Zellen nachts anreichert und am Tag abgebaut wird. Einige Jahre später entdeckte Young (68) zwei weitere Proteine, die für die Stetigkeit der Inneren Uhr von großer Bedeutung sind. Diese nobelpreisgekrönten Erkenntnisse sind wichtig für unsere Schlafmuster.

Ob wir Eule oder Lerche sind, bestimmen die Gene

„Wir wissen heute, dass praktisch alle Zellen in unserem Körper eine Innere Uhr haben. Die steuert viele Funktionen von der Zellteilung bis zum Schlaf. Es gibt keinen physiologischen Prozess, der nicht von der Inneren Uhr beeinflusst wird“, erläutert dazu Chronobiologe Henrik Oster vom Institut für Neurobiologie der Uni Lübeck.
Nicht nur der Mensch, auch Pflanzen und Tiere haben einen inneren Taktgeber, der zentrale Lebensprozesse steuert. Welche Gene ihm zugrunde liegen, wird seit den 1970er Jahren erforscht. Die drei Nobelpreisträger brachten die Erkenntnisse maßgeblich voran.

Welcher Wecker für wen? Jetzt anmelden!

Eine der wichtigsten Funktionen der Inneren Uhr ist die Aufrechterhaltung eines regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Einige Menschen macht die Innere Uhr zu Lerchen, die früh in den Tag starten und abends zeitig ins Bett fallen. Andere kommen als Eulen erst spät in die Federn - und morgens später wieder heraus. Ändern kann man daran nur wenig. Im Gegenteil: Forscher betonen, wie wichtig es ist, seinem natürlichen Rhythmus zu folgen.

Ein Leben gegen die Innere Uhr kann krank machen

Die 5 häufigsten Folgen

Diese Probleme können sich einstellen, wenn Lerchen und Eulen falsch leben:

  • Übergewicht
  • Depressionen
  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • neurologischen Krankheiten
  • und Magen-Darm-Erkrankungen

Gerät die Innere Uhr aus dem Takt - etwa durch Schichtarbeit, zu frühen Schulbeginn oder häufige lange Flugreisen - können erhebliche gesundheitliche Probleme folgen, sagt etwa Chronobiologe Kramer. Bei den 5 häufigsten Folgen (s. Infokasten) wird demnach ein Einfluss gestörter biologischer Rhythmen diskutiert. Selbst die Schwere einer Infektion hängt mit dem Zeitpunkt der Ansteckung zusammen, fanden Forscher in einer Studie mit Mäusen heraus: Gibt die Innere Uhr dem Körper gerade eine Ruhephase vor, können sich Viren erheblich schneller vermehren. Ein Leben gegen die Innere Uhr kann darüberhinaus nicht nur krank machen, sondern auch die Alterungsprozesse beschleunigen.

Jetlag entsteht, weil die Innere Uhr träge ist

Schon der Jetlag nach einer langen Flugreise kann eine echte Qual sein. Mitten am Tag fühlt man sich elend müde. Nachts hingegen kann man trotz tiefster Dunkelheit nicht schlafen. Es dauert Tage, bis sich der Körper an den veränderten Tag-Nacht-Rhythmus der neuen Zeitzone angepasst hat - und der Jetlag langsam schwindet.
Schuld ist die Trägheit unserer Inneren Uhr. Dieser biologische Taktgeber steuert zahlreiche Körperfunktionen und beeinflusst neben dem

Schlaf-Wach-Zustand
die Körpertemperatur
den Blutdruck
und das Immunsystem

Auch Licht beeinflusst die Innere Uhr

Um die Innere Uhr nicht zu stören, empfehlen Schlafforscher auf die Lichtverhältnisse zu achten:

etwa auf weitgehende Dunkelheit im Schlafzimmer
auf Straßenlaternen, die ebenfalls den Mechanismus beeinflussen können
und schließlich auch auf das Licht eines E-Readers, eines Tablets oder Smartphones

Der Wecker nervt oft 

Forscher weisen auch darauf hin, dass die Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen von der Inneren Uhr mitbestimmt wird. Viele Schüler entwickelten sich in der Pubertät von Lerchen zu Eulen - für sie beginnt die Schule vielfach zu früh. Da wird der Wecker zum Feind.

Auf die Innere Uhr der Preisträger nahm die Nobelpreis-Jury übrigens keine Rücksicht. Die Schweden klingelten zumindest zwei der drei US-Amerikaner nachts aus ihren Betten.

So werden Nobelpreisträger geweckt

„Ich habe fest geschlafen, es war 5.10 Uhr morgens hier. Was für eine Art, aufzuwachen!“
Michael Rosbash, einer der drei Nobelpreisträger

Anja Garms, dpa, 2.10.2017 
Titelbild: pixabay.com Kdsphotos ID: 1576572 


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