Einsamkeit macht schlaflos

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 Schlafstörungen

 Abini Herzberg

 03.04.2018

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Einsamkeit macht schlaflos
5 Sterne (1 Vote)

Der Unterschied zwischen "allein" und "einsam"

Einsam in jedem Alter

Es gibt keine Altersgruppe, in der sich Menschen nicht einsam fühlen. Aber besonders betroffen sind ältere und kranke Menschen.

  • In Deutschland fühlt sich jeder Fünfte über 85 einsam.
  • Bei den 45- bis 65-Jährigen ist es jeder Siebte.

Studie von Professorin Maike Luhmann (Ruhr-Universität Bochum)

Immer mehr Menschen in Deutschland fühlen sich einsam – und sind es auch. Tatsächlich sagt mindestens jeder Zehnte* von sich, er sei „häufig einsam“ (*in vielen Umfragen sind es sogar noch mehr).
Dabei ist es wichtig, zwischen „allein“ und „einsam“ deutlich zu differenzieren. Hier geht es folglich nicht um Singles, also Alleinlebende – sondern um Menschen, die sich im Abseits fühlen.

Als einsam gilt, wer unglücklich alleine ist und ungewollt isoliert lebt. Wer einsam ist, dem fehlen nicht nur Menschen, sondern auch Gefühle.

Die Folgen der Einsamkeit

Einsamkeit kann bekanntlich Depressionen, Angststörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Vor allem raubt die Einsamkeit vielen Betroffenen den Schlaf. Denn insbesondere nachts fühlt sich der Einzelne noch einsamer als tagsüber. Das führt zu Schlafproblemen, denn der Geist kann nicht runtertouren. Das hat psychische Ursachen – bspw. wenn sich das Gedankenkarussell ohne Pause dreht oder sich ein Gedanke hartnäckig hält, ein ungelöstes Problem quält oder aber sogar eine Depression ausbricht. Es gibt aber auch hormonelle Ursachen – bspw. weil das Stresshormon Cortisol stärker ausgeschüttet wird.

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Wenn sich die Kraft der Nacht mit ihren Hätte-Wäre-Könnte-Phantasien entfaltet, wenn sie plötzlich viel zu hohe Erwartungen in einem schürt oder Alltagssituationen emotional überfrachtet – dann werden aus normalen Vorstellungen ausgewachsene Trugbilder. Nachts ist die Zeit, in der vieles überbewertet wird!

All das macht schlaflos.

 

Kann die Politik gegen Einsamkeit helfen?

Nachdem in Großbritannien ein Regierungsposten gegen Einsamkeit eingerichtet worden ist, fordern nun auch deutsche Politiker mehr Einsatz im Kampf gegen das Alleinsein.

„Die Einsamkeit in der Lebensphase über 60 erhöht die Sterblichkeit so sehr wie starkes Rauchen.“
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, sagte weiter: Einsame Menschen würden früher sterben und viel häufiger an Demenz erkranken. „Es muss für das Thema Einsamkeit einen Verantwortlichen geben, bevorzugt im Gesundheitsministerium, der den Kampf gegen die Einsamkeit koordiniert“.
In Großbritannien gibt es seit Januar 2018 einen Regierungsposten gegen Einsamkeit. Sportstaatssekretärin Tracey Crouch übernahm diesen Aufgabenbereich zusätzlich. In Großbritannien fühlen sich nach Regierungsangaben mehr als neun Millionen Menschen isoliert. Etwa 200.000 Senioren hätten höchstens einmal im Monat ein Gespräch mit einem Freund oder Verwandten.

Muss das Thema Einsamkeit enttabuisiert werden?

Sowohl in Städten als auch auf dem Land wächst die Zahl von Menschen, die sich einsam fühlen. Einsamkeit ist also zweifellos ein Querschnittsproblem unserer Gesellschaft, über das zu wenig geredet wird.

Und brauchen einsame Menschen eine gemeinsame Lobby?

Es ist jedenfalls nichts dagegen einzuwenden, wenn es auch von der Politik neue Programme und Konzepte dazu gibt. Wenn es vielleicht sogar ein Bündnis aus Politik und gesellschaftlichen Gruppen, wie Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Sportvereinen und kulturellen Einrichtungen gibt, wie Diakonie-Präsident Ulrich Lilie fordert. Er sagt zurecht: „Einsame Leute wieder in die Gesellschaft zu holen, ist eine Aufgabe, die man nicht einfach kommerziellen Anbietern wie Facebook oder Partnerschaftsbörsen überlassen darf“.

Gehört Einsamkeit auf die Politische Agenda?

Unbedingt ist die Politik gefordert, wenn Menschen, bspw. wegen geringerer Einkommen ihre vertraute Umgebung verlassen müssen und deshalb vereinsamen, weil sie alle Kontakte verlieren. Und nicht zuletzt kann sich auch die Frustration wegen unverschuldeter Einsamkeit auf dem Wahlzettel niederschlagen. Die Politik sollte aber nicht nur deshalb ein Interesse haben, es sollte auch zu ihrem Selbstverständnis gehören, auf die Bedürfnisse der Bürger zu reagieren. 

In der Ruhe liegt die Kraft?

Einsamkeit hat eben gerade nichts mit dem Zurückziehen in eine sanfte Ruhezone für sich selbst zu tun. Ganz im Gegenteil, Einsamkeit verursacht oft Stress – denn es fehlen die sozialen Kontakte, die emotionale Zuwendung und das bisschen Aufmerksamkeit, das jeder Mensch einfach verdient hat. Wem all das fehlt, der entwickelt schneller eine ernsthafte Schlafstörung als andere. Ein Teufelskreis eben, denn soziale Isolation kann die anfangs erwähnten Krankheiten begünstigen.

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In akuten Krisen ist sie telefonisch unter 0800 -11 10 111 oder 0800 - 11 10 222 erreichbar.

Von wegen: In der Ruhe liegt die Kraft. Diese Ruhe ist trügerisch, weil sie nicht selbst gewählt ist. Dann gleicht sie eher einer unheimlichen Stille. Einer Erstarrtheit, die so gar nichts mit innerem Frieden zu tun hat. Einsamkeit bedeutet vor allem: fehlende Anerkennung, mangelnde Aufmerksamkeit und das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, vielleicht sogar, überflüssig zu sein. Da sollte kein Versuch ungenutzt bleiben, etwas dagegen zu tun.
Von einem direkt – und von den anderen.

Und nichts spricht dagegen, sich zuallererst ersteinmal selbst in den Arm zu nehmen. 

(mit dpa) Titelbild: pixabay.com Reinhardi ID: 3214687


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