Wie tickt die Innere Uhr?

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 Interviews, Schlaf gut

 dpa

 14.12.2017

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Wie tickt die Innere Uhr?
5 Sterne (4 Votes)

Zur Person:

Juleen Zierath ist Professorin und Physiologie-Spezialistin am Karolinska-Institut, der medizinischen Universität in Stockholm. Sie ist Mitglied des Nobel-Komitees.

Wie tickt die Innere Uhr?

Die Innere Uhr: Das ist im Prinzip eine Masteruhr - und viele kleinere Uhren. Wer auch immer in einer anderen Zeitzone landet (Flugreise oder Sommerzeit) hat ein größeres oder kleineres Problem mit der Zeitverschiebung. Die Erforschung der Inneren Uhr, für die es nun den Medizin-Nobelpreis gab, lässt uns dieses und andere Phänomene besser verstehen - um unseren Körper besser vorzubereiten. Die Erkenntnisse könnten uns helfen, besser zu schlafen – und vielleicht irgendwann nicht nur Jetlag, sondern auch Krankheiten zu verhindern. Das erklärt die Nobelpreis-Jurorin Juleen Zierath im Interview.

Warum sollten wir unsere Innere Uhr verstehen?

Zu begreifen, dass wir eine Innere Uhr haben, hilft uns, viele der 24-Stunden-Veränderungen in unserem Körper zu verstehen. So können wir besser auf unsere Umgebung achten. Schweden mit seinen sehr langen Sommertagen und sehr kurzen Wintertagen ist ein gutes Beispiel. Zu verstehen, warum es wichtig ist, auf unseren Schlaf zu achten, kann unser Wohlbefinden beeinflussen.

Erklärt die Forschung auch, warum wir Jetlag haben?

Wenn man durch unterschiedliche Zeitzonen reist, fühlt man sich nicht recht wohl. Denn die Innere Uhr lässt zu, dass wir uns mit dem Tageslicht-Kreislauf und der Erdrotation synchronisieren. Die Forschung hilft uns, zu entschlüsseln, weshalb genau die Innere Uhr ein paar Tage braucht, um zu ihrer Umwelt aufzuholen.

Könnten Medikamente gegen Jetlag entwickelt werden?

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Einige Unternehmen versuchen, Medikamente zu entwickeln, die den Mechanismus der Uhr beeinflussen - um sie zu verlangsamen oder schneller ticken zu lassen. Es gibt Hinweise, dass Tiere Diabetes bekommen können, wenn der Mechanismus nicht richtig funktioniert. Das lässt uns glauben, dass man Fehlfunktionen des Metabolismus und entzündliche Erkrankungen verhindern könnte, wenn man irgendwie an der Uhr herumbastelt. Doch so weit sind wir derzeit noch nicht.

Wie geht die Forschung jetzt weiter?

Forscher versuchen zu verstehen, wie die Master-Uhr in unserem Gehirn mit den vielen kleinen Uhren in unseren Organen synchronisiert ist. Wenn man von New York nach Paris reist, passt sich die zentrale Uhr im Gehirn innerhalb eines Tages an. Einige der anderen Uhren aber können bis zu sechs Tage brauchen. Und man will verstehen, wie Mutationen an der Uhr beispielsweise Schlafmuster beeinflussen können.

Interview: Theresa Münch/dpa, 2.10.2017

Und so tickt die Innere Uhr

Eulen und Lerchen

Niemand kann entscheiden, ob er Lerche oder Eule ist - das ist sozusagen naturgegeben. Die Innere Uhr hat über viele Rädchen Einfluss auf Mechanismen im Körper: Sie steuert u.a. die Reaktionsgeschwindigkeit und die Körpertemperatur mit. So sind Körpertemperatur und Blutdruck bei Menschen abends meist höher als am Morgen und es gibt sogenannte Lerchen und Eulen, die zu verschiedenen Tageszeiten besonders leistungsfähig sind. Der Taktgeber beeinflusst auch, wann das für den Schlaf wichtige Melatonin ausgeschüttet wird. Lebt ein Mensch dauerhaft gegen seine Innere Uhr, kann unter anderem das Risiko für Krebs, Nervenleiden und Stoffwechselkrankheiten steigen.

Vereinfacht gesagt funktioniert die Innere Uhr so: In den Zellen laufen biochemische Reaktionen - wie in einem Kreislauf, der immer gleich lang dauert. Jeder Schritt passiert zu einer festgelegten „inneren Uhrzeit“. Dabei gibt es oft eine Art Hauptuhr im Gehirn, die Taktgeber für den restlichen Körper ist.
Genauer gesagt: Kernstück des Räderwerks ist das period-Gen. Es ist die Bauanleitung für das PER-Protein: Wenn die Konzentration des Proteins hoch ist, wird das period-Gen blockiert. Fällt die PER-Protein-Menge ab, wird das period-Gen wieder aktiv. Dieses Pendel schwingt mit Hilfe weiterer Rädchen in etwa im Tagesrhythmus. Bei der Feinjustierung der Uhr gibt es u.a. Proteine, die die Innere Uhr etwa bei einer Zeitumstellung neu justieren. Die Innere Uhr ist u.a. auch daran beteiligt, wann wir müde werden. Nicht zuletzt macht sie aus uns Eulen und Lerchen – je nachdem, wie sie eben tickt. 

Wer hat also an der Uhr gedreht? Das period-Gen. So etwas Winziges, so ein bisschen DNA, kann uns letztlich vollkommen aus dem Takt geraten lassen.

Unsere Innere Uhr tickt im 25-Stunden-Takt

Nicht zuletzt ist auch interessant, was der Schlafforscher Prof. Dr. Jürgen Zulley auf seiner Website schreibt: Er meint, die Umstellung auf die Winterzeit oder besser: Rückumstellung auf die Normalzeit, falle uns leichter –  weil wir dann einen 25-Stunden-Tag haben. "Da freut sich sogar unsere Innere Uhr, denn das ist genau ihr Rhythmus. Sie würde gerne immer im 25-Stunden-Takt laufen, wie wir aus Isolationsexperimenten wissen, bei der Versuchspersonen völlig zeitlos leben. Sie tun dies dann in einem 25-Stunden-Tag. Aber die Sonne zwingt uns nun einmal unerbittlich ihren 24-Stunden-Tag-Nacht-Wechsel auf." Das erklärt vieles.

Wussten wir's doch: 24 Stunden sind zu wenig!

Titelbild: pixabay.com music4life ID: 2532158


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